Performance „Die Zelle“ im Oktober 2016

KOÏNZI-DANCE e.V. veranstaltete vom 20. bis 28. Oktober 2016 in der Lola Rogge Schule im Kiebitzhof die Ausstellung „Weidt tanzt!“ und in Kooperation mit der LOLA ROGGE SCHULE die Performance „Die Zelle“.

Die Choreographie „Die Zelle“ wurde nach zeichnerischen Dokumenten im Oktober 2016 von Nele Lipp (Regie) und Christiane Meyer-Rogge/Monika Weller (Choreographie) neu auf die Bühne gebracht.
Alle drei Berufsausbildungsklassen waren an den Filmchoreographien beteiligt. Die Hauptrolle des „Kragler“ tanzte Ralf M. Ze. In weiteren Solo-Rollen tanzten Bogdan Bogdanov, Isabella Boldt, Katja Borsdorf und Monika Weller.
Musik: Wittwulf Y Malik, Kostüme: Burkhard Scheller, Videos: Karsten Wiesel.
Eine Dokumentation des “Deutschen Tanzfilminstituts Bremen“.

 

Der Tänzer Jean (Hans) Weidt wurde 1904 in Hamburg-Barmbek geboren. Er war im Wesentlichen ein Autodidakt, orientierte sich politisch links, schuf 1933 in Berlin den regimekritischen Maskentanz „Reichstag“ und wurde von da an von den Nationalsozialisten verfolgt. Der Weg des kommunistischen Tänzers führte über Moskau und Prag nach Frankreich, wo er Künstler der surrealistischen Szene kennen lernte, die sein Werk prägten. Als feindlicher Ausländer wurde Weidt 1940 inhaftiert und konnte erst nach dem Krieg wieder richtig in seinen Beruf einsteigen. 1947 gewann er mit „Die Zelle“ („La Cellule“) den 1. Preis im internationalen choreographischen Wettbewerb in Kopenhagen.
Die Choreographie „Die Zelle“, die im Sinne historisch orientierten Gedächtnistheaters neu bearbeitet ist, basiert auf einer Mappe mit dem Libretto und 23 Zeichnungen. Die Choreographie ist eine Art Fortsetzung von Bertolt Brechts „tragischer Komödie Trommeln in der Nacht“, In der sind Anregungen aus Psychoanalyse, Motive aus Heinrich Manns „Professor Unrat“ und stilistische Elemente des Surrealismus verarbeitet sind und je nach Aussage Stilmittel des Ausdruckstanzes, der Pantomime und des Balletts eingesetzt wurden.
Weidts von antifaschistischer Einstellung bestimmte Laufbahn wurde in der in Kooperation mit der BTK_CAMPUS ALTONA entwickelten Interaktiven Ausstellung „Weidt tanzt!“ in Original-Dokumenten, Gemälden, Grafiken, Fotos, Plakaten und einer umfangreichen Literatursammlung vergegenwärtigt. Zu Aufführung und Ausstellung erschien im ATHENA-Verlag das Buch: Nele Lipp: „Jean Weidt. Ein Tänzerleben 1904-1988“.
Website KOÏNZI-DANCE e.V.
Hier zu unserer Galerie mit den Fotos von Daniel Kulle und Angela Buggisch unter Tanz- & Performanceprojekte.

 

Presse:
– „Verlebendigtes Tanzerbe in Hamburg – Weidt tanzt! – Eine Ausstellung & DIE ZELLE – Eine Tanzaufführung“, veröffentlicht am 26.10.2016, von Karin Schmidt-Feister im Tanznetz.
– „Vom schweren Weg eines unbequemen Kämpfers – Nele Lipps Biografie des ‚Roten Tänzers‘ Jean Weidt“, veröffentlicht am 07.01.2017, von Volkmar Draeger im Tanznetz.
– „Die Wiederentdeckung des „Roten Tänzers“ – Jean Weidt – ein Buch, eine Aufführung, eine Ausstellung“, von Hanns-Werner Heister in Unsere Zeit
– Hier zu einem Artikel von Marion Kant, University of Cambridge